Die Berliner Gesellschaft für Anthropologie, Ethnologie und Urgeschichte ist eine freie Vereinigung zur Förderung von Forschung und Verbreitung wissenschaftlicher Erkenntnisse über Ursprung, Entwicklung, Geschichte und Kultur der Menschheit. Sie unterstützt Unternehmungen, die der Vertiefung und Erweiterung jener Erkenntnisse dienen, und fördert das allgemeine Interesse für Anthropologie, Ethnologie und Urgeschichte.

Auf Initiative des Arztes und Anthropologen Rudolf Virchow wurde von mehreren Gelehrten unterschiedlicher Fachgebiete im Jahre 1869 die „Berliner Anthropologische Gesellschaft“ ins Leben gerufen, aus der die Berliner Gesellschaft für Anthropologie, Ethnologie und Urgeschichte hervorgegangen ist. Sie sollte diese damals noch sehr jungen Zweige der Wissenschaft ins öffentliche Bewußtsein bringen und ihnen zugleich bei staatlichen Instanzen die gebührende Beachtung und Unterstützung verschaffen.

Seit der Gründung bis in heutige Zeit versammeln sich die Mitglieder allmonatlich zu einer ordentlichen Sitzung. Hier werden in Vorträgen über Forschungsreisen in alle Gegenden der Erde berichtet, die Ergebnisse von archäologischen Ausgrabungen vorgestellt und neue wissenschaftliche Erkenntnisse mitgeteilt und diskutiert. Ein bedeutender Anteil an den Sammlungen dreier Berliner Museen, dem Ethnologischen Museum, dem Museum für Vor- und Frühgeschichte sowie dem Museum Europäischer Kulturen, sind der Tätigkeit von Mitgliedern der Berliner Gesellschaft zu verdanken.

Einige angesehene Fachzeitschriften wurden und werden von der Berliner Gesellschaft für Anthropologie, Ethnologie und Urgeschichte herausgegeben, vor allem die „Zeitschrift für Ethnologie“, an der unsere Gesellschaft noch heute beteiligt ist. Ehe das beträchtliche Vermögen der Gesellschaft – aus namhaften Stiftungen so berühmter Persönlichkeiten wie Heinrich Schliemann hervorgegangen – der Inflation nach dem Ersten Weltkrieg zum Opfer fiel, konnte sie sogar Expeditionen und Ausgrabungen finanziell unterstützen.

In den mehr als 125 Jahren ihres Bestehens und auch seit der Reaktivierung der Gesellschaft nach siebenjähriger kriegsbedingter Unterbrechung im Jahre 1951 hat sich sehr vieles gewandelt. Staatliche Forschungsinstitutionen und die Universitäten haben einen Teil der Aufgaben übernommen, die im 19. und frühen 20. Jahrhundert weite Tätigkeitsbereiche der Gesellschaft umfaßten. Durch die wissenschaftlichen Fortschritte und damit verbunden durch die zunehmende Spezialisierung innerhalb der einzelnen Fächer sind die Gemeinsamkeiten der Wissenschaftsbereiche Anthropologie, Ethnologie und Urgeschichte im Bewußtsein der Forscher nicht mehr in dem Maße präsent wie noch vor hundert Jahren. Hieraus erwachsen der Gesellschaft neue Aufgaben. In den Sitzungen erhalten Wissenschaftler die Möglichkeit, Forschungsergebnisse aus den benachbarten Fachgebieten durch auswärtige und Berliner Wissenschaftler aus erster Hand vorgetragen zu bekommen und daraus Anregungen für die eigene Tätigkeit zu gewinnen. Studenten und interessierten Laien werden auf diese Weise vielseitige Erkenntnisse geboten, die in den jeweils an die Vorträge anschließenden öffentlichen Diskussionen noch vertieft werden können.

Weitere Veranstaltungen sind Führungen durch die zahlreichen Ausstellungen, die in Berlin und andernorts zu den Forschungsbereichen der Gesellschaft geboten werden, und die von kompetenter Seite, meist von den Ausstellungsgestaltern selbst, vorgenommen werden. Zu all diesen Veranstaltungen haben Mitglieder freien Eintritt. Außerdem erhalten sie jährlich die „Mitteilungen der Berliner Gesellschaft für Anthropologie, Ethnologie und Urgeschichte“, in denen die Vorträge und Referate der Sitzungen, die Geschäftsberichte und die sonstigen Aktivitäten der Gesellschaft veröffentlicht werden.

Die Berliner Gesellschaft für Anthropologie, Ethnologie und Urgeschichte vergibt jährlich den mit 500 € dotierten Rudolf-Virchow-Förderpreis für hervorragende Magister- und Diplomarbeiten aus Berliner und Brandenburger Hochschulen mit Bezug zu den in der Gesellschaft vertretenen Fächern. Die Examensarbeiten können von den betreuenden Hochschullehrern oder/und jedem Mitglied der Gesellschaft vorgeschlagen werden. Die Vorschläge sind mit schriftlicher Begründung jeweils bis Ende Oktober beim Vorstand der Gesellschaft einzureichen. Näheres ist der Ausschreibung zu entnehmen, die jährlich durch Aushänge in den Berliner und Brandenburger Institutionen bekannt gegeben wird.

Die Berliner Gesellschaft für Anthropologie, Ethnologie und Urgeschichte ist als gemeinnützige Körperschaft anerkannt, so daß alle Beiträge und Spenden steuerlich voll absetzbar sind. Sie steht für jeden offen, der ernsthaftes Interesse daran hat, sein geistiges Blickfeld zu erweitern und an der Fortführung der wissenschaftlichen Erkenntnisse vom Menschen unmittelbar tätig zu sein oder unterstützend teilzuhaben. Tradition der Gesellschaft ist es, daß zwei Mitglieder eine Neuaufnahme vorschlagen – Interessenten werden mit Sicherheit Mitglieder finden, die für ihren Eintritt bürgen.

Die Satzung der Gesellschaft gewährt allen Mitgliedern gleiches Stimmrecht und damit gleichberechtigte Mitbestimmung über die Geschicke der Gesellschaft. Der Fortbestand und die Leistungsfähigkeit der Gesellschaft werden aber wie eh und je wesentlich davon abhängen, daß alle Mitglieder sie mit regelmäßigen Beiträgen unterstützen. Der Jahresbeitrag beträgt 40 €, für Studenten 20 €, für Arbeitslose, Rentner und Pensionäre je nach Selbsteinschätzung 40 € oder 20 €.

Sitz der Gesellschaft ist Berlin. Die Geschäftsstelle befindet sich im Museum für Vor- und Frühgeschichte, Schloss Charlottenburg, Langhansbau, 14059 Berlin, Tel. 32674817, Fax. 32674812.